Buch: Jutta Ahrens – Lacunars Fluch (Gesamtausgabe)

Veröffentlicht: 16. Juni 2017 in Bücher
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Lacunars Fluch zu lesen war mit knapp 1600 Seiten (laut meinem Ebookreader) schon ein ziemliches Mamutprojekt. Okay, es handelte sich um die Gesamtausgabe. Eigentlich handelt es sich hierbei um 7 Einzelbände, die wenn man sie einzeln betrachtet, ein sehr erträgliches Maß haben. Ich mach es mir einfach und geh etappenweise durch das Buch. Ich werde erst einmal die in Amazon erhältliche Buchbeschreibung des jeweiligen Teils einfügen und dann ein paar Zeilen dazu sagen. In diesem Sinne sag ich von Anfang an: !!!SPOILERALARM!!!

  1. Der Auftrag:
  2. Der hochmütige Sonnenpriester Jaryn erhält von einem Weisen den Auftrag, einen geheimnisvollen Prinzen zu suchen. Erst wenn dieser freiwillig dem Bösen abschwört, wird ein Fluch gebrochen, unter dem das Land seit Jahrhunderten leidet. Doch wo soll Jaryn diesen Prinzen finden? Welche Rolle spielt der Räuberhauptmann Rastafan, dem er immer wieder begegnet? Was führen die Oberpriester des Sonnen- und Mondtempels im Schilde?

Unsere Geschichte beginnt in einem Land Namens Jawendor. In diesem gibt es zwei vorherrschende Kasten von Priestern. Zum einen die Mondpriester, die sich vor allem um die physischen Bedürfnisse sowie die Schriften des Landes kümmern und zum anderen die Sonnenpriester, deren Aufgabe primär das Seelenheil der Bevölkerung ist. Dieser Kaste entspringt auch Jaryn. Sonnenpriester gelten gemeinhin als realitätsfern und so kommt es, dass sich Jaryn, naiv wie er ist, allein auf seine Immunität als Sonnenpriester verlässt. Auf dem Weg wird er mit allerlei Problemen behaftet und sogar angegriffen und vergewaltigt, was er erstaunlich gut wegsteckt. Man wird mit der Ausgangslage im Land und der Ausgangslage der wichtigsten handelnden Personen vertraut gemacht und es wird so der Grundstein gelegt für eine der besten Geschichten, die ich bisher gelesen habe. Wenn man das ganze Werk, so wie ich, in einem Zug gelesen hat, kann es passagenweise vorkommen, dass man die Geschichte als langatmig empfindet. Allerdings muss ich auch einwerfen, dass es mir nicht so ging. Für die 7 Teile hab ich insgesamt 4 Tage gebraucht. Leider musste ich nebenbei auch noch arbeiten. Besonders Jaryn ist mir in kurzer Zeit sehr ans Herz gewachsen, aber genauso Rastafan, Celian und auch noch der eine oder andere Charakter.

  1. Jaryn hat bei seiner Suche herausgefunden, dass Rastafan ein Sohn des Königs ist, und bei seiner Rückkehr nach Margan wird er selbst ebenfalls als Königssohn ›geoutet‹. Nun gibt es also zwei Prinzen. Die Liebenden Rastafan und Jaryn sind plötzlich Brüder und Rivalen um den Thron! Nach alter Überlieferung müssen aber Königssöhne in Jawendor um die Thronfolge kämpfen – auf Leben und Tod! Gaidaron, der intrigante Neffe des Königs, der sich mangels Prinzen bisher für den selbstverständlichen Nachfolger König Dorons gehalten hatte, sieht sich nun auf Platz drei der Thronfolge verdrängt. Er muss handeln, wenn er sich nicht zur bloßen Randexistenz degradieren lassen will – doch was plant Gaidaron? Werden Rastafan und Jaryn wirklich um den Thron kämpfen? Welche Rolle spielt Mama Zira? Und wie passen diese neuen Entwicklungen in den Plan der drei Weisen, Lacunars Fluch zu brechen und nach Jahrhunderten endlich einen guten König auf den Thron zu bringen?

Ursprünglich sah der Plan der beiden Oberpriester und des Weisen Anamarna lediglich vor, dass nur ein Sohn des Königs, also auch nur ein Prinz, existieren sollte, um so den Teufelskreis um das Gesetz und den Fluch zu brechen. Leider fand Jaryn noch während seiner Wanderschaft heraus, dass sein geliebter Rastafan der Sohn des Königs ist. Völlig perplex wird Jaryn zum Ende des 1. Bandes zum Prinzen erklärt und findet so raus, dass er eben auch noch Rastafans Bruder ist. Die Welt von Jawendor hat offenbar wenig Probleme mit Inzest und naja, das wahrscheinlich auch nur, weil es sich um Männer handelt, die ihm verfallen. Ich persönlich hätte nicht gedacht, dass die Autorin ihren anfänglichen Protagonisten sterben lässt. Dennoch findet Jaryn im „Duell“ mit Rastafan jedoch den Tod. Da auch Rastafan tiefe Zuneigung zu Jaryn empfindet, verfällt dieser in tiefe Trauer. Das bedeutet aber nicht, dass er einerseits nicht das Bett auch mit jemand anderen teilt, andererseits aber Sex auch als Machtwerkzeug einsetzt. Gaidaron dagegen spinnt seine Intrigen munter weiter und nachdem er schon den Wunsch gehegt hat, Jaryn zu töten, will er auch Rastafans Leben ein Ende bereiten. Das Ende des Buches ist umso fulminanter, da der König in seiner Hochzeitsnacht doch tatsächlich auf sehr unschöne Weise stirbt und Rastafan wird verhaftet, weil man vermutet, er und seine Mutter hätten den Tod von König Doron geplant. Auch das Ende des zweiten Teils hat mich extrem angefacht und Teil 3 las sich entsprechend binnen einer Nacht und auch dann konnte ich das Tablet nicht weglegen.

  1. Seit dem Kampf auf Leben und Tod zwischen Rastafan und Jaryn um die Krone Jawendors ist Caelian spurlos verschwunden. Rastafan hatte sich aus Trauer um seinen Geliebten und Bruder Jaryn der Trunksucht hingegeben und darüber das Mordkomplott an König Doron verschlafen, das seine Mutter ausheckte. Nach der grausamen Ermordung Dorons, bei der auch Zahira ihr Leben verlor, findet sich Rastafan plötzlich als Mitverschwörer vor Gericht wieder. Der vorliegende dritte Band von ›Lacunars Fluch‹ setzt noch einmal kurz nach Jaryns Beisetzung ein und liefert Caelians Erlebnisse nach, die den anderen (und dem Leser) bisher verborgen geblieben waren. Wohin ist Caelian verschwunden – und warum? Weshalb benimmt sich der oberste Mondpriester Suthranna so seltsam? Wird Rastafan zum Tode verurteilt oder König von Jawendor? Und wieder einmal: Welche Rolle spielt Gaidaron bei alledem?

Durch einige glückliche Umstände passiert es, dass Rastafan frei gesprochen wird und Gaidaron seinen Anspruch auf den Thron vollends verliert. Dies heißt allerdings nicht, dass er aufhört seine Intrigen zu spinnen. Dennoch war es für ihn ein herber Rückschlag, als Rastafan ihn zur Strafe von der Erbfolge ausschloss. Des Weiteren fühlte ich mich wieder wohl mit der Geschichte, da der Protagonist Jaryn, anders als angenommen, nicht gestorben ist. Er beginnt mit Celian in der Welt herum zu reisen. Mit dem versnobten Sonnenpriester vom Anfang der Geschichte hat er nun kaum noch etwas gemein. Nun macht er sich nach einer aufwendigen Erholung auf und besucht als erstes Anamarna, um dann mit Celian nach der versunkenen Stadt Zarador zu suchen. Sie finden sie natürlich auch und was sie finden, lässt sie sehr staunen, einerseits viel Gold und andererseits die wahre Geschichte von Jawendor und Achland und somit die Geschichte eines Landes das einst Urd hieß.

  1. Rastafan haben seine Regierungsgeschäfte ausgelaugt. Auf Suthrannas Rat will er sich an der Kurdurquelle einige Tage erholen. Dabei trifft er versehentlich seinen totgeglaubten Bruder Jaryn. Da Rastafan im Überschwang stürzt und sich den Kopf verletzt, gelingt es Anamarna und Aven, ihm einzureden, er habe sich getäuscht und ein Wunschbild gesehen. Bei Rastafan bleiben jedoch Zweifel. Währenddessen eilt Caelian hinter Rastafan her, um gerade dieses Treffen zu vermeiden. Sein plötzliches Erscheinen nährt Rastafans Zweifel sogar noch. Und Gaidaron spinnt natürlich schon wieder an seiner nächsten Intrige … Lässt Rastafan sich wirklich von Anamarnas Geschichte einlullen, oder wird er versuchen, Jaryn zu finden? Was stand eigentlich in den Schriften aus der Pyramide? Und wer weiß mittlerweile von den fünf Krügen mit Gold? Welche Begehrlichkeiten wurden schon geweckt?

Einerseits wird Rastafan eine zweite Chance bei Jaryn gegeben und andererseits sind die Dokumente übersetzt und die Geschichte von Zarador und Urd kann erzählt werden. Sie erstreckt sich weit und ist sehr lang, es ist eine Geschichte in einer Geschichte und gerade dieses Prinzip wurde von der Autorin richtig umgesetzt. Dennoch ist sie erst Teil des nächsten Bandes, Ziel dieses Bandes ist die nun endende Buße von Rastafan. Er erfährt, dass sein geliebter Jaryn lebt und er ihn nicht getötet hat und er strebt mit großen Schritten ein Wiedersehen an.

  1. Rastafan und Jaryn haben sich versöhnt, Lacunars Fluch wurde aufgehoben. Aber wie lassen sich die Folgen des Fluches abmildern? Und was hat es mit der Prophezeiung auf sich? Es wird Zeit, sich mit den alten Schriften zu beschäftigen, die Jaryn und Caelian in der Pyramide gefunden haben … Wie mag es wohl Gaidaron im Nachbarland Xaytan ergehen?

In der Verschmähten Liebe, wie dieser Band heißt, wird der Hauptteil der Geschichte der königlichen Brüder und des Zylonen Mennai erzählt. Es geht hauptsächlich um die Lebensgeschichte von Mennai, einem Bauerssohn, der sich nur zu Männern hingezogen fühlt. Sein Vater schickt ihn, nachdem er dies feststellt, in den Tempelbezirk von Jawendor, damit er fortan im Morphortempel lernen soll und so ein Zylone wird. Als dieser wird er über das Land reisen und helfen, wo er kann. Mennai selbst verlegt sich besonders auf die Medizin. Im Laufe der Biografie von Mennai wird viel über Liebe erzählt und wie er, ohne es wirklich zu beabsichtigen, der Geliebte des Thronfolgers wird.

  1. König Nemarthos von Xaytan befindet sich zur Abmagerungskur an der Kurdurquelle. Sein Verschwinden löst diplomatische Verwicklungen aus, die bis zur Kriegsdrohung eskalieren. Auch die alten Schriften werden weitergelesen und klären endlich, was es mit Lacunars Fluch ursprünglich auf sich hatte. Rastafan und Jaryn finden endlich etwas Zeit füreinander, aber die Verbesserung der Lage in Margan und Jawendor fordert ihnen einiges Organisationstalent und Überredungskünste ab. Und Gaidaron gerät mal wieder in die größten Schwierigkeiten …

Durch große Verwicklungen wird Gaidaron erst ein politischer Gefangener, um dann als König und Gott von Xaytan wieder aufzustehen. Dennoch ist auch an diesem Schicksal nicht alles rosig. Die Gruppe um Rastafan und Jaryn erfährt den Rest der Geschichte von Mennai, ergänzt durch das persönliche Tagebuch des Königs und Geliebten von Mennai.

  1. In Jawendor wartet noch ein Haufen Probleme. Die Zylonen sind nach wie vor ein Ärgernis, und Sonnen- und Mondtempel sind schlimmer verfeindet als je zuvor. Aber auch Gaidaron im benachbarten Xaytan hat mit seiner neuen Göttlichkeit nichts als Schwierigkeiten. Und dann bricht auch noch ein großes Unglück über die Länder herein. Ist die hoffnungsvolle Prophezeiung »Was war, wird wieder sein« nur eine Illusion gewesen?

Ich kann soweit sagen, dass im letzten Band durch die unbeabsichtigte Erfüllung einer alten Weissagung das Schicksal sehr schnell seinen Lauf nimmt. Durch einen Vulkanausbruch wird fast das gesamte Achland in Asche getaucht und anschließend von einem heftigen Regen überflutet. Das Land muss evakuiert werden, aber durch diese Basis schafft die Natur es, sich die brachliegende Wüstenlandschaft wieder als grünes Land zurück zu erobern. Durch einiges Hin und Her wird auch schlussendlich eine Lösung für die Ausgrenzung der Zylonen und die Spaltung zwischen den Sonnen- und Mondpriestern gefunden. Diese war leichter als gedacht, bedurfte dennoch einiges an Tricks aller beteiligten Parteien.

So viel erstmal zum Inhalt als solches. Nun noch einiges was ich dazu zu sagen habe.

Ich finde das Buch als Gesamtwerk beeindruckend und in sich sehr schlüssig. Für das Werk von Selfpublishern ist es nur umso beeindruckender, weil ich kaum Fehler entdecken konnte. Was mit besonders gefallen hat war der Umstand das Sex zwar eine Rolle spielt, aber nicht das zentrale Thema der Bücher ist. Leider ein häufiges Problem in schwuler Literatur ist das es entweder ganz fehlt oder man es einfach übertreibt, den goldenen Mittelweg zu finden scheint außerordentlich schwer zu sein. Ich hatte eingangs leichte Probleme in die Story reinzukommen, spätestens aber zum Ende von Der Auftrag, war ich gefesselt und konnte nicht mehr aufhören. Wenn ich das vergleiche mit z.B. den Herrn der Ringe, dann merke ich das es wesentlich leichter war sich rein zu finden, die Gedanken der handelnden Personen zu folgen und nicht den Überblick zu verlieren. Besonders letzteres ist leider ein häufiges Problem bei solchen Mammutprojekten.

Mein einziges und größtes Problem hab ich mit dem Ende. Also als erstes die Eröffnungen von Anamarna (Bezüglich der Götter von Jawendor und Achland) sind nachvollziehbar und so gesehen kein Problem und ich habe auch schon einen Verdacht, wer Aryon ist (Ich lese aktuell Anamarnas Prophezeihung und muss sagen, ich hab mich geirrt ^^). Aber ein Ende ist das eigentlich nicht, es ist sogar sehr offen, plötzlich taucht auch noch eine neue Person auf nämlich besagter Aryon. Offen ist besonders einerseits was Jaryn sagen wird zum Angebot von Anamarna und andererseits ob Rastafan das passiert ist, was man am Ende dann eben denkt, wenn man alles gelesen hat zur Person von Aryon. Generell bin ich extrem begeistert von dem Gesamtwerk, es ist sehr angenehm zu lesen gewesen und ergeht sich, Gott sei dank, nicht in ewigen Beschreibungen wie es z.B. Tolkien so gern getan hat. Ich habe mir auch ein paar Kritiken auf Amazon durchgelesen und möchte dazu einiges sagen.

  1. Es ist völlig egal, wie viel ein Buch kostet, wichtig ist der Inhalt und diesen mit dem Preis gleichzusetzen, ist einfach nur ein Fehler. Wenn man sich anschaut wie die Preisgestaltung eines Verlages funktioniert, wird man schnell ernüchtert sein wie günstig ein Selfpublisher seine Werke anbieten kann.
  2. Das Buch aufgrund von Inzest nicht zu lesen oder abzulehnen, ist jedermanns gutes Recht. Dennoch denke ich, dass es sehr merkwürdig ist, wenn man sich überlegt, wie umfassend dieses Thema in Büchern namhafter Autoren behandelt wird. Goethe, Max Frisch und sogar Tolkien widmeten diesem Thema ganze Bücher. Sich daran zu stören, ist für mich ein Zeugnis wahren Kleingeistes – besonders wenn man besagte Autoren sonst in den Himmel hebt.
  3. Es wurde kritisiert, wie voll das Buch von Gewalt ist und das die Männer immer können, was ja unrealistisch sei, der geneigte Leser hat ganz klar nicht zu Ende gelesen. Die Gewalt in dem Sinne hab ich vergeblich gesucht, am Anfang wurden ein oder zwei Sachen beschrieben z.B. die Hinrichtung von Rastafans Ziehvater. Sicher gibt es auch einige Szenen, wo man denkt, es sei unschön, aber so richtig Gewalt, nee, die find ich kaum. Wenn es irgendwie zum Krieg gekommen wäre, könnt ich diesen Einspruch nachvollziehen, aber gewalttechnisch war Jaryns Tod so ziemlich das Schlimmste. Und die SM Praktiken wurden nicht mal wirklich beschrieben, gemessen an Shades of Grey oder wenn´s klassischer sein soll die Werke von Marquis de Sade, ist es lächerlich sowas als Kritikpunkt anzuführen.
  4. Ich empfand die Figuren als wandlungsfähig und man spürte förmlich die Entwicklung. Die primären vier Entwicklungen in dem Zyklus, ist einmal Jaryn vom versnobten Sonnenpriester zum Lacunar und schließlich zum zweiten König neben Rastafan. Rastafans Entwicklung vom Räuber zum Prinzen, Liebhaber bis hin zum König. Celian vom verschlagenen kleinen Sonnenschein im Mondtempel zum Obermondpriester und besten Freund von Jaryn und zu guter Letzt die Entwicklung von Jawendor und Achland wieder zu einem Land, in dem die Menschen sich respektierten.

Die Botschaft des Buches ist sehr klar und kommt auch in diesen Zyklus hervorragend rüber. Ich würde Lacunars Fluch immer wieder gern lesen und hoffe, dass ich hier mit meinen wirren Gedanken doch klar machen konnte, wie sehr mir das Buch gefallen hat.

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