Storie: Dunkel Teil 2

Veröffentlicht: 31. Oktober 2013 in Stories

Eine ganze Woche ging dahin und Alan beobachtete Leonard mit wachsendem Interesse und einer stetig aufsteigenden Ahnung, was es war, dass seinen Blutdurst zurückhielt, wenn er diesem Jungen begegnete.

Er beobachtete ihn aber auch mit wachsender Besorgnis, denn Leonard wirkte von Tag zu Tag schwächer. Er wusste nicht, was ich wusste. Leonard litt, er litt Höllenqualen.

Alan war gerade wieder auf dem Weg zum Fluss wie jeden Abend, wenn er aufgewacht war. Es war wieder einer dieser Tage, an denen es unerträglich heiß war und das Wasser war dementsprechend aufgeheizt.

Er entkleidete sich und stieg ins Wasser ohne sich vorher noch einmal umzusehen. Er schwamm ein paar Minuten, ehe er sich rücklings treiben ließ und ein wenig entspannte. Während er so auf dem Wasser trieb, liefen seine Gedanken stetig weiter.

Er hatte die letzten Tage immer ein wenig mehr von Leonard kennen gelernt. Sie hatten sich nicht noch mal getroffen, aber Alan war jede Nacht unterwegs und beobachtete ihn. Leonard kam nicht aus ärmlichen Verhältnissen. Seine Eltern besaßen ein großes Anwesen und fast jeden Abend fanden diese Partys statt, die dieser so hasste.

Leonards Vater hatte er noch nicht gesehen. Immer wenn Alan ihn beobachtete, war dieser allein oder in Gesellschaft seiner Mutter. Alan wunderte sich, dass er Leonard nie mit anderen sah, woraufhin er sich auch schwor zu fragen, warum dies so sei.

Aber was ihn im Moment am meisten beschäftigte war, was Leonard bedrückte. Er wirkte jeden Tag mehr ausgelaugt, als würde etwas an ihm zehren und ihn schaffen. Leonard war in seiner Gegenwart immer recht fröhlich gewesen, aber wenn er ihn allein beobachtete, so sah er nur einen traurigen Jungen, der immer schwächer wurde.

Alan wusste nicht, was es war, obwohl er ihn schon die ganze Zeit beobachtete. Ein Knacken ließ ihn aus seinen Gedanken aufschrecken. Er lauschte kurz und sah zum Ufer, doch sah er auf den ersten Blick nichts.

Er schwamm langsam an den Rand des Flusses und horchte auf jedes Geräusch. Er spürte jemanden in der Nähe, aber das war noch ein Stück zu weit entfernt, als das Alan hier schon die Geräusche hören könnte.

Er stieg aus dem Wasser und nahm sich langsam seine Sachen und zog sich immer auf den leisesten Laut bedacht an. Als er angezogen war, stellte er sich aufrecht hin und schloss die Augen.

Er lauschte noch einmal in den Wald hinein und erschrak fast, als er die Gegenwart des anderen schon sehr dicht spürte. Er hörte schnelle Schritte, als würde dieser Jemand laufen. Plötzlich hörten die Schritte abrupt auf.

Alan öffnete langsam die Augen und sah Leonard vor sich stehen. Er atmete schwer und sah Alan erschrocken an. In seinen Augen war Angst zu sehen, aber keine Angst ihm gegenüber. Leonard hatte vor etwas anderem Angst.

Doch noch ehe er ihn fragen konnte, brach dieser zusammen. Alan konnte ihn gerade noch auffangen. Er setzte sich ins Gras und bettete Leonards Kopf auf seinen Schoß und strich ihm durch das Haar.

Er nahm den süßlichen Geruch Leonards wahr und schloss noch einmal kurz die Augen. Leonards Atem wurde langsam ruhiger. Als Alan ihm über die Stirn strich, fühlte sie sich heiß an.

Er legte Leonard vorsichtig neben sich und stand auf. Er nahm sein Hemd und tauchte es in das Wasser. Dann ging er zurück zu Leonard und strich ihm damit sanft über die Stirn. Es dauerte ein wenig bis Leonard wach wurde.

Als er seine Augen öffnete, sah er Alan direkt an. Seine Augen waren glasig und irgendwie verschleiert.

„Wie geht es dir?“, fragte Alan leise und strich fortwährend mit dem nassen Hemd über Leonards Stirn.

Dieser sagte keinen Ton, sondern schloss erneut die Augen, schlief aber nicht wieder ein.

„Ich hatte nicht erwartet, dass hier jemand ist. Das du hier bist“, sagte Leonard fast flüsternd. Seine Stimme klang ein wenig rau.

„Ich bin fast jeden Abend hier zum schwimmen“, erwiderte Alan ebenso leise.

Eine Pause entstand, denn Leonard wollte nicht reden. Er wollte nur ein bisschen daliegen und Alans Nähe genießen, die er in den letzten Tagen vermisst hatte.

„Wo warst du die letzten Nächte?“ wollte Leonard wissen, ohne die Augen zu öffnen oder sich zu bewegen.

„Ich war beschäftigt und habe keine Zeit gefunden“, redete sich Alan raus.

Was hätte er auch sagen sollen. Leonard schwieg, was Alan das Gefühl vermittelte, dass dieser ihm nicht glaubte.

„Warum bist du eben so gerannt?“

„Einfach nur so, mir war danach.“

„Warum hattest du dann Angst in deinen Augen?“

Nun sah Leonard doch Alan an und er blickte ihm direkt in die Augen. Alan las Misstrauen darin, aber auch immer noch die Angst.

„Ich bin von zu Hause weggelaufen und dachte, einer von den Bediensteten verfolgt mich schon wieder“, sagte Leonard nach, wie es Alan schien, einer kleinen Ewigkeit.

„Du bist vor Erschöpfung zusammengebrochen.“

„Mir geht’s nicht gut. Warum fragst du mich das alles? Du kennst mich kaum und dennoch höre ich Sorge in deiner Stimme, lese Zuneigung in deinen Augen. Warum?“, fragte Leonard leise und setzte sich auf.

„Ich weiß es nicht, wenn ich ehrlich bin. Aber eines weiß ich. Du bist nicht einfach so weggelaufen und hattest Angst verfolgt zu werden. Sonst wärest du nicht vor Schwäche zusammengebrochen. Da steckt mehr dahinter.“

„Und wenn das so ist?“

„Ich weiß nicht, vielleicht möchtest du ja darüber reden.“

„Nein, nicht wirklich“, sagte Leonard noch immer leise und stand auf.

Er ließ sich am Flussufer in die Hocke sinken und hielt die Hand ins Wasser.

„Jetzt jedenfalls nicht.“ hängte er nach Augenblicken des Schweigens noch an.

Alan ging zu ihm und blieb hinter ihm stehen.

„Ist das Wasser angenehm heute?“, fragte Leonard lächelnd und sah Alan an.

Dieser war ein bisschen verwundert über den plötzlichen Umschwung in Leonards Laune, lächelte aber ebenfalls und schupste ihn einfach ins Wasser.

„Teste es“, meinte er grinsend.

„Das war gemein“, sagte Leonard, als er wieder auftauchte.

„Ach ja? Ich dachte, du wolltest baden?“

„Klar, aber ich hätte mich zuvor gern ausgezogen.“ grinste Leonard nur und sah Alan aus dem Wasser heraus an.

Alan zog seine Hose kurzer Hand wieder aus und sprang selbst zurück ins Wasser. Als er bei Leonard auftauchte, sah er ihn nur grinsend an.

„Jetzt ist’s eh zu spät dazu, nun bist du einmal nass.“

„Na warte“, sagte Leonard und grinste frech.

„Worauf?“

„Darauf“, meinte Leonard und tauchte Alan unter.

Dieser zog Leonard ebenfalls unter Wasser und tobte mit ihm ein wenig herum. Er merkte jetzt erst, wie sehr er das vermisst hatte – einfach er selbst zu sein und sich zu amüsieren, ohne daran zu denken, dass er bei Sonnenaufgang lieber in seinem Versteck sein sollte.

Die Nacht war noch lang und so verscheuchte er alle negativen Gedanken und ließ sich mit Leonard treiben. Als sie beide nackt am Ufer lagen und sich vom Wind trocknen ließen, hatte Leonard seine Kleidung über einen Ast gehängt.

Alan hatte die Augen geschlossen und genoss den Wind auf seiner Haut und die Ruhe des Moments. Leonard lag nur wenige Zentimeter neben ihm und er konnte die Wärme spüren, die von ihm ausging.

„Hey, Alan? Hast du Lust, noch ein bisschen durch die Stadt zu laufen, da ist heute ein Gauklerfest“, riss ihn Leonards Stimme aus seinen Gedanken.

Er musste eingeschlafen sein, denn er konnte sich an die vergangene Zeit nicht erinnern. Er öffnete langsam die Augen und sah dabei direkt in Leonards Augen, der sich über ihn gebeugt hatte.

„Entschuldige, ich wollte dich nicht wecken“, sagte Leonard verlegen.

„Schon gut. Ich war nur ein bisschen müde vom Bad.“ lächelte Alan ihn an und setzte sich auf.

„Und um deine Frage zu beantworten, ja, ich habe Lust mit dir da hin zugehen.“

„Wirklich?“, fragte Leonard erfreut.

„Ja, aber wir sollten uns zuvor anziehen. Ich denke nicht, dass wir da nackt auftauchen sollten.“

„Warum? Wäre doch mal was Neues.“ grinste Leonard.

„Du kannst ja gern so gehen. Ich zieh mich an“, sagte Alan lächelnd und war schon dabei seine Hose anzuziehen.

Sein Hemd war mittlerweile trocken und auch Leonards Sachen waren in der vergangenen Zeit getrocknet. Er musste recht lange geschlafen haben, denn er fühlte sich obendrein auch ausgeruht.

Als sie angezogen waren, machten sie sich auf den Weg in die Stadt.

Nun langsam begreift mein Sohn wohl doch. Obwohl ihm das volle Ausmaß seiner Gefühle nicht mal halbwegs klar ist, hat er dennoch ein Gefühl, welches er seit Ewigkeiten nicht mehr hatte: Sorge – Sorge und Angst um einen Menschen, den er mochte.

Dies war eine Seltenheit bzw. kam es in Alans, für meine Verhältnisse, sehr kurzem unsterblichen Leben noch nie dazu, dass er dies verspürte. Deswegen waren diese Gefühle ihm auch fremd, aber auch er wird bald verstehen!

Als Alan und Leonard bei dem Fest ankamen, war es schon im Gange. Auf der Bühne war gerade ein Mann dabei, eifrig mit Fackeln zu jonglieren und die Menge wartete nur darauf, dass er danebengriff, was er selbstverständlich nicht tat.

Alan sah sich etwas um. Es waren viele Leute hier und alle schienen sich zu amüsieren. Es waren Stände aufgebaut, an denen man Kleidung, Schmuck oder auch Essen und Trinken kaufen konnte. Als Alans Blick wieder zurückschweifte, traf er auf Leonards Augen, die ihn fragend ansahen.

„Suchst du jemanden?“, fragte Leonard leise, aber dennoch verständlich.

„Na ja, kann schon sein“, sagte Alan ebenso leise und sah nach unten.

Er erinnerte sich an einen Jungen, den er mal kannte. Dieser Junge war auch ein Zigeuner, genau wie die Menschen, die das Fest hier gaben. Er hatte mit ihm lange geredet und festgestellt, dass sie sich gar nicht so unterschieden.

Ebenso wie Alan musste der Junge Acht geben, wem er sagte, wer er war, mit dem Unterschied, dass Alan es niemandem sagen durfte. Auch ihre Lebensweise war fast die gleiche.

Sie zogen beide durch die Länder und hatten kein wirkliches Zuhause. Man war nicht immer glücklich über das Herumziehen und wollte manches Mal auch einfach an einem Ort bleiben, nur konnte man es nicht.

Einen Zigeuner sah man solange gern, wie sie ihre Feste gaben und dann aber auch schnell wieder verschwanden. Man traute ihnen nicht richtig über den Weg. Einen Vampir würde man nie irgendwo auch nur eine Stunde dulden, sondern ihn gleich dem Feuer übergeben.

„Was hast du?“, fragte Leonardo ihn besorgt.

Alan sah ihn verwirrt an.

„Ist ein bisschen schwierig zu erzählen“, meinte Alan lächelnd.

„Machst du es trotzdem?“

„Wenn du es hören möchtest.“

„Ja“, sagte Leonard und bekam ein Leuchten in den Augen, welches Alan ein wenig irritierte.

„Aber wir sollten dafür ein Stück aus der Menge heraus gehen.“

„Kein Problem, es gibt ja genug Ecken hier.“

„Stimmt.“

Leonard drehte sich zur Hälfte um und sah sich einen Augenblick die Gegend an.

„Wie wäre es mit da vorn?“, fragte er daraufhin und deutete auf einen großen Brunnen in der Mitte des Marktplatzes.

„Ist mir Recht“, meinte Alan und ging vor.

Am Brunnen angekommen, setzten sie sich auf die Steinmauer, die ihn umgab.

„Also? Was ist los?“

„Los ist gar nichts, ich hab mich nur an einen Jungen erinnert, den ich mal kannte. Er war auch Zigeuner. Ich hab fast sieben Nächte durchweg nur mit ihm geredet und er hat mir sein halbes Leben erzählt. Er ist aufgewachsen in einer ganz normalen Familie, aber durch einen Überfall auf sein Dorf, hatte er kein Zuhause mehr. Seine Eltern haben sich mit ihm einer Zigeunerfamilie angeschlossen und sind mit ihnen durch die Länder gezogen. Jason, so hieß der Junge, hat mir erzählt, dass er manchem Tag keine Lust mehr zu wandern hatte und einfach an Ort und Stelle bleiben wollte. Aber wenn er dann den nächsten Tag abgewartet hatte, wollte er doch wieder weiter und die Menschen und ihre Geschichten erkunden. Er erzählte mir auch, wie die Leute in der Stadt auf sie reagieren. Das man sie gern da hat, solange Feste gegeben werden, aber man duldete sie auch nicht lange. Man hängte ihnen Gaunerei und andere Straftaten an und verjagte sie, wenn sie nach zwei Wochen noch immer da waren. Ich bin eine ziemlich lange Zeit mit ihm durch die Lande gezogen und irgendwann sagte er plötzlich zu mir, dass er nicht mehr will. Das er an diesem Ort, an dem wir damals waren, bleiben wollte. Er tat dies auch, aber schon nach kurzem musste er feststellen, dass ihn die Leute dort nicht haben wollten. Er hatte also keine Wahl mehr und musste weiterhin umherziehen, ohne ein Zuhause zu haben. Letztlich erkannte er das Lager als sein Zuhause an.

Jason hatte mich damals sehr fasziniert, weil wir beide fast das gleiche Leben führten. Aber er hatte von uns als einziger die Kraft, weiterzumachen. Ich hab aufgegeben und mich trotz der misstrauenden Blicke, die mich immer und überall hin verfolgten, in einer Stadt niedergelassen und bin dort geblieben, wenn auch nicht für lange. Denn du vermisst das Herumziehen, auch wenn du es nicht gern hast. Aber ich hab später immer länger an einem Ort ausgehalten und nur noch selten bin ich weg gegangen.

Ich hab Jason noch ein paar Mal gesehen, aber seit einigen Jahren ist der Kontakt weg.“

„Wenn du mir das so erzählst, hört sich dein Leben so lang an.“

„Wie alt schätzt du mich denn?“

„Ich weiß nicht genau. 21, 22?“, fragte Leonard neugierig, doch Alan blieb ihm die Antwort schuldig.

„Lass uns noch ein wenig durch die Stadt gehen“, sagte Alan stattdessen.

*Ein tiefes Lachen erschallt in der unteren Bewusstseinsebene*  Leonard scheint doch tatsächlich zu begreifen, er dessen Verstand noch auf einer unteren Ebene arbeitet. Alan amüsanterweise stöbert in seiner Vergangenheit und entdeckt ähnliche Begebenheiten, die er mit der jetzigen vergleicht.

Es ist schon erstaunlich, denn ich wusste nichts von dem Zigeunerjungen. Obwohl ich einen tiefen Einblick in seinen Geist habe, konnte ich nichts von diesem Jungen entdecken, bis er ihn erwähnte.

Unfassbar, sollte es etwa so sein, wie ich vermute, und dieser junge fast noch jugendliche Vampir schafft es, eine gedankliche Blockade gegen MICH zu errichten? Das mag mich in meiner Vermutung bestärken, dass er ein direkter Sohn eines Whampyri ist, aber eigentlich dachte ich, dass ich alle meine Nachfahren im Auge habe.

Ich weiß, dass meine Geschwister mittlerweile keine Ähnlichkeit mehr mit einem Whampyri haben. Aber an Macht sind sie auch nicht stärker geworden, im Gegenteil. Luzifer nahm ihnen langsam die Macht und degradierte sie zu normalen verdammten Seelen. Mich konnte er so nicht bekommen, das hat durchaus seine Gründe.

Ich bin dem Heiligen Geist der Schöpfung noch zu nah, wenn Cimeterium mich anspricht, wie er es in all den Jahrhunderten sehr oft getan hat, dann nannte er mich immer seinen schwarzen Engel. Ich weiß selbst, dass ich ihm noch sehr nahe stehe, denn jeder von uns liebte seinen Herren. Niemand konnte sagen, dass er ihn aus tiefsten Herzen hasste, nicht einmal Morgenstern konnte das und er führte den Krieg an.

Doch Alan, er strahlte nicht einmal die Schwärze aus, die ein Whampyri absonderte, sondern vielmehr Wärme. Das war auch für einen Vampir ungewöhnlich. Die meisten der sehr alten Vampire mit denen ich mich unterhalte, haben ein sehr blutrünstiges und kaltes Wesen, Alan jedoch tötete nur, um zu leben. Ein ungewöhnlicher Zug an einem so machtvollen Wesen.

Leonard sah Alan immer wieder kurz an. In seinen Augen konnte Alan Verwirrung lesen, wahrscheinlich noch immer wegen der Frage nach dem Alter von vorhin, dennoch antwortete er nicht.

Sie liefen eine Weile schweigend nebeneinander her, ehe Leonard sich dazu durchringen konnte, etwas zu sagen.

„Alan? Beantwortest du mir eine Frage?“

„Ja, welche?“

„Von wo kommst du? Du hast erzählt, dass du umherziehst, aber du hast nichts davon gesagt, warum du das tust.“

Alan sah ihn kurz an, ehe er überlegte.

„Das ist nicht so einfach zu erklären“, sagte Alan schließlich.

„Erzähl es mir trotzdem, bitte.“

„Also, ich bin früh von Zuhause weg und wusste nicht, wohin ich sollte. Ich bin dann irgendwann einem Mann über den Weg gelaufen, der mich eine Weile aufgenommen hatte, aber nach einiger Zeit wollte ich da nicht mehr bleiben und bin auch da weggelaufen. Allerdings hab ich nirgends so richtig ein Zuhause gefunden und bin einfach nur durch die Gegend gezogen.“

„Warum bist du von Zuhause weg?“

„Weil es da nicht mehr sonderlich schön war. Ist alles eine seltsame Zeit gewesen und ich war einfach froh, da raus zu sein“, meinte Alan und blieb stehen.

„Was ist?“, fragte Leonard verwundert.

„Sieh mal.“

Alan deutete zur Bühne und drehte Leonard kurzer Hand in diese Richtung. Auf der Bühne wurde gerade ein Stück aufgeführt. Es sah aus, als würde es die Geschichte zweier Männer erzählen, die ihre Abenteuer erlebt hatten.

Im Moment erzählten sie wohl die Geschichte, wie sie gegen ein riesiges Ungeheuer kämpfen, denn ihre Gegner stellten ein dreiköpfiges Ungeheuer da. Leonard fing an zu grinsen. Sie sahen sich das Schauspiel bis zum Ende an und als die Akteure die Bühne verlassen hatten, drehte sich Leonard wieder zu Alan um und sah ihm in die Augen.

Eine Weile sahen sie sich nur an, ehe Alan den Blickkontakt unterbrach und weiterlief.

Alan fühlte sich nicht mehr wohl. Sein Kopf schmerzte ihm und es waren zu viele Leute hier. Er war kein Freund von großen Festen. Sein Blutdurst spielte, obwohl Leonard bei ihm war, verrückt. An einer Bank setzte er sich und vergrub sein Gesicht in den Händen.

„Hey, was hast du?“, fragte Leonard besorgt.

„Ich weiß nicht, ich fühl mich nicht gut.“

Leonard ließ sich neben ihn sinken und legte seine Hand auf Alans Stirn.

„Also Fieber hast du nicht. Vielleicht solltest du dich etwas hinlegen.“

„Können wir noch ein Stück gehen? Irgendwohin wo weniger Leute sind?“

„Ja, komm mit“, meinte Leonard leise und half Alan hoch.

Sie gingen langsam die Straße hoch. Die Leute um sie herum wurden allmählich weniger und langsam beruhigte sich zumindest sein Blutsdurst wieder und ließ ihn in Ruhe.

„Setz dich“, riss ihn Leonard aus seinen Gedanken.

Alan sah sich kurz um. Er hatte nicht bemerkt, dass sie zum kleinen Park gegangen waren. Leonard setzte sich neben den Brunnen und sah Alan wartend an. Alan setzte sich und lehnte sich an dem Brunnen an.

„Ich sagte dir doch mal, dass hier um diese Zeit keiner mehr hinkommt. Die Leute halten sich in der Stadtmitte auf.“

„Kann ich dich auch mal was fragen?“

„Ja.“

„Warum bist du in meiner Gegenwart so anders, als allein?“

Leonard sah Alan verwirrt an.

„Bin ich das?“, fragte er abwartend.

„Ja, das vorhin versteh ich immer noch nicht. Wovor hattest du Angst?“

„Ist das nicht egal?“

„Nein, ehrlich gesagt, interessiert mich das.“

„Dann lass uns ein anderes Mal darüber reden.“

„In Ordnung, ich muss sowieso gehen.“

„Warum?“

„Weil du ein bisschen schlafen solltest und ich mich selber ausruhen will. Mir geht’s nicht wirklich besser.“

„Wann sehe ich dich wieder?“

„Ich weiß nicht. Das wird sich ergeben.“

„Aber geh bitte nicht weg, ohne mir Auf Wiedersehen zu sagen.“

„Nein, mach ich nicht und jetzt geh ich und werde mich hinlegen“, sagte Alan, während er aufstand.

Leonard stand ebenfalls auf und sah sich kurz um. Es war niemand mehr in der Nähe zu sehen.

„Na gut. Also abwarten bis ich dich wieder sehe?“

„Ja.“

Leonard seufzte leicht und drehte sich zu Alan um. Er küsste ihn kurz auf die Wange und lächelte daraufhin.

„Wag es nicht einfach abzuhauen“, grinste er und machte sich auf den Weg nach Hause.

Alan stand einen Moment verwirrt da, ehe er sich in Bewegung setzte, heim zu gehen. In ihm herrschte Chaos. Sein Blutdurst war wieder da und er war verwirrt über Leonard. Alan ließ sich auf das Bett fallen und schloss die Augen.

Um ihn drehte sich alles. Statt das seine Kopfschmerzen abnahmen, nahmen sie noch an Härte zu. Er lauschte kurz in sich hinein, doch außer dem Rauschen seines eigenen Blutes hörte er nichts.

Als er seine Gedanken zur Seite schob und versuchte ganz still zu liegen und kein Geräusch zu erzeugen, vernahm er ein Gefühl, welches ihm bekannt vorkam. Als ob jemand bei ihm wäre und ihn beobachtete und belauschte.

Doch ehe er dieses Gefühl oder den Gedanken richten greifen konnte, entwischte er ihm schon. Alan setzte sich auf und fuhr sich mit beiden Händen übers Gesicht.

„Ich sollte schlafen, das bringt heute alles nichts mehr“, sagte er zu sich selbst und sah sich im Zimmer um.

Eine ganze Weile saß er einfach nur da, ließ sich dann aber nach hinten fallen und schloss wieder die Augen. Schon bald war er in seinen Träumen versunken, die ihn zwar nicht weniger verwirrten, dafür aber ausruhen ließen.

Das war knapp, erst die unterbewusste Blockade und nun sollte er mich auch noch bemerken? Das ist sehr ungewöhnlich für einen solch jungen Vampir. Wie schon erwähnt, schaffen dies nur die mächtigsten und ältesten unter ihnen.

Meist sind dies hohe Fürsten, die man nur für exzentrisch hält. Sie saugen ab und zu mal ein oder zwei Menschlein aus, auf dass man ihr wahres Wesen nicht erkennen mag, doch ich erkenne sie alle.

Kein Vampir kann meinem Blick und meinem Gespür entweichen, jedoch hat Leonard etwas vertrautes an sich und wiederum nicht, ich vermag es nicht zu erklären, aber ich werde dem auf den Grund gehen!

Ende Teil 2

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